Die Holzbauquote im Wohnungsbau liegt bei 24,1 Prozent, im Nichtwohnbau bei 25,1 Prozent, und im Industriebau bei über 47 Prozent. Der interessanteste Befund steckt aber im Ländervergleich.

Was passiert ist

Der Lagebericht von Holzbau Deutschland weist die Holzbauquote nach Gebäudetyp und Bundesland aus. Im Wohnungsbau erreichten Holzbauten einen Anteil von 24,1 Prozent der genehmigten Gebäude, im Nichtwohnbau 25,1 Prozent. Deutlich höher liegt der Anteil im Industrie- und Gewerbebau: Dort werden über 47 Prozent der Gebäude in Holzbauweise genehmigt. Im Ländervergleich führt Baden-Württemberg mit 34,3 Prozent, gefolgt von Hessen mit 27,3 Prozent und Bayern mit 26,1 Prozent. Zwischen dem stärksten und dem schwächsten Bundesland liegen mehr als zehn Prozentpunkte.

Die Zahlen

  • Wohnungsbau: 24,1 % Holzbauanteil
  • Nichtwohnbau: 25,1 %
  • Industrie- und Gewerbebau: über 47 %
  • Baden-Württemberg: 34,3 %
  • Hessen: 27,3 %
  • Bayern: 26,1 %

Was das für Kommunen bedeutet

Der Ländervergleich ist kein Naturgesetz, sondern eine Verwaltungsstatistik. Wo Holzbau häufig gebaut wird, gibt es drei Dinge im Überfluss: Betriebe mit Erfahrung, Bauämter mit Routine und Förderprogramme, die ihn adressieren. Alle drei sind gestaltbar. Für Kommunen in Ländern mit niedriger Quote heißt das: Der Rückstand liegt nicht am Material, sondern an der Kompetenzdichte im Umfeld. Wer als Kommune den ersten Holzbau realisiert, arbeitet gegen fehlende Routine: im eigenen Bauamt, bei den Planern, teilweise auch beim Brandschutzprüfer.

Daraus folgt eine einfache Empfehlung: nicht mit dem schwierigsten Gebäude anfangen. Die über 47 Prozent im Industrie- und Gewerbebau zeigen, wo Holzbau unstrittig funktioniert: bei einfachen Hüllen, großen Spannweiten, wenig Sonderanforderungen. Kommunale Gegenstücke sind Bauhöfe, Lagergebäude, Feuerwehrhäuser, Sporthallen. Wer dort Erfahrung sammelt, hat beim nächsten Schul- oder Kitaprojekt eine Verwaltung, die den Ablauf kennt.

Was das für Investoren und Bauherren bedeutet

Für Investoren ist die Zahl 47 Prozent das stärkste Argument gegen die Vorstellung, Holzbau sei eine Nische für Idealisten. Im Industriebau, dem preissensibelsten Segment überhaupt, entscheidet sich fast jedes zweite Gebäude für Holz. Dort zahlt niemand einen Aufpreis für Gesinnung. Der Grund ist wirtschaftlich: Vorfertigung, kurze Bauzeit, geringe Gründungslasten, planbare Kosten.

Im Wohnungsbau bleibt der Anteil bei rund einem Viertel, und in mehrgeschossigen Vorhaben liegt er deutlich darunter. Genau dort liegt die Lücke zwischen Marktanteil und Potenzial, und dort wirken die Hemmnisse, die nicht das Material betreffen: Brandschutznachweise, Schallschutz, Genehmigungsroutine, Erfahrung der Finanzierer. Die neuen Landesregelungen zur Gebäudeklasse 5 adressieren genau diesen Punkt, und die Länderstatistik ist die Messlatte, an der sich in zwei Jahren ablesen lässt, ob sie gewirkt haben.

Einordnung

Zwei Einschränkungen gehören zu dieser Statistik. Erstens zählt sie Gebäude, nicht Volumen: Ein einziges großes Massivbau-Wohnhochhaus enthält mehr Wohnungen als zehn Holz-Einfamilienhäuser, wird aber als ein Gebäude gezählt. Die Quote überschätzt daher den Marktanteil in Kubikmetern und Wohnungen. Zweitens sind es Genehmigungen, nicht Fertigstellungen. In einem Markt mit hohem Bauüberhang ist der Abstand zwischen beidem beträchtlich. Als Trendindikator taugt die Quote trotzdem, und der Trend zeigt seit Jahren in eine Richtung.


Quellen: Holzbau Deutschland: Lagebericht 2025 (PDF) · Holzbau Deutschland: Lagebericht und Statistiken

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