Acetyliertes Buchenholz: Laubholz für tragende Außenbauteile
Chemisch behandeltes Buchen-Furnierschichtholz nimmt kaum Wasser auf und bleibt formstabil. Damit rückt Laubholz in Anwendungen, die bisher Beton vorbehalten waren.
Buchen-Furnierschichtholz, das durch Acetylierung witterungsbeständig wird, soll tragende Außenbauteile ermöglichen. Für den Holzbau ist das mehr als ein Materialdetail: Es adressiert die Lücke zwischen dem, was im Wald wächst, und dem, was gebaut wird.
Was passiert ist
Im Projekt ACEBUFU wird witterungsbeständiges Furnierschichtholz aus Buche für tragende Außenbauteile entwickelt. Verfahren ist die chemische Acetylierung: Sie verändert die Zellstruktur so, dass das Material deutlich weniger Wasser aufnimmt und unter wechselnden Witterungsbedingungen formstabil bleibt. Die mechanischen Kennwerte liegen nach Angaben der Beteiligten gleichauf mit vergleichbaren Holzprodukten oder darüber. Beteiligt sind die Rheinland-Pfälzische Technische Universität Kaiserslautern-Landau, die die mechanischen Kennwerte untersucht, und die Georg-August-Universität Göttingen, die an Verklebung und Fertigungsprozessen arbeitet, dazu zwei Industriepartner aus Holzveredelung und Holzwerkstoffproduktion. Als Entwurfsstudie wurde ein Aussichtsturm auf der Schwäbischen Alb visualisiert, konstruiert aus geraden Buchenfurnierschichtholzstäben mit Stahlknoten und so ausgelegt, dass einzelne Stäbe reversibel ausgetauscht werden können. Eine erste praktische Anwendung ist eine Parkplatzüberdachung mit Photovoltaikanlage für die Landesgartenschau 2027 in Neustadt an der Weinstraße.
Die Zahlen
- Verfahren: chemische Acetylierung von Buchenfurnier
- Wirkung: deutlich geringere Wasseraufnahme, Formstabilität bei Witterungswechsel
- Beteiligte Universitäten: 2 (Kaiserslautern-Landau, Göttingen)
- Erste geplante Anwendung: Landesgartenschau 2027, Neustadt an der Weinstraße
- Laubholzanteil am deutschen Rohholzaufkommen: 22 %
Was das für Kommunen bedeutet
Der Anwendungsbereich ist genau der, in dem Kommunen regelmäßig bauen und bei dem Holz bisher selten zum Zug kommt: Bauwerke im Außenraum ohne schützende Hülle. Aussichtstürme, Brücken, Stege, Pergolen, Fahrradüberdachungen, Parkplatz- und Haltestellenüberdachungen. In diesem Bereich gilt Holz als pflegeintensiv, und viele Kommunen haben schlechte Erfahrungen mit ungeschützten Konstruktionen gemacht: Bauteile, die nach fünfzehn Jahren ersetzt werden mussten, hinterlassen Skepsis, die zwei Generationen von Amtsleitern überdauert.
Wenn ein Material im Außenbereich formstabil bleibt und ohne chemischen Holzschutz dauerhaft ist, verschiebt das die Lebenszyklusrechnung. Interessant ist dabei das Konstruktionsprinzip der Entwurfsstudie: Stäbe, die einzeln getauscht werden können. Bei kommunalen Bauwerken im Außenraum ist Wartbarkeit häufig wichtiger als die Ersteinsparung: ein Bauteil, das ohne Sperrung und Großgerät ersetzt werden kann, spart über dreißig Jahre mehr als jede Einsparung am Anfang.
Was das für Investoren und Bauherren bedeutet
Für Bauherren ist die relevante Frage nicht die Technik, sondern der Preis. Acetylierung ist ein chemisches Verfahren mit Anlagen- und Energieaufwand; acetylierte Holzprodukte sind bisher deutlich teurer als unbehandeltes Nadelholz. Solange das so bleibt, ist die Anwendung auf Fälle beschränkt, in denen die Alternative Beton, Stahl oder Tropenholz wäre; dort ist der Vergleich allerdings günstig, und im Außenbereich ist er der realistische.
Zweiter Punkt: Verfügbarkeit von Buche. Der Waldumbau erhöht den Laubholzanteil, während der Holzbau vor allem Nadelholz nachfragt. Jede Anwendung, die Buche konstruktiv verwertet, entlastet den Nadelholzmarkt und nutzt einen Rohstoff, der zunehmend anfällt. Das ist für die Preisentwicklung im gesamten Holzbau bedeutsamer als für das einzelne Projekt: Wenn Laubholz eine konstruktive Verwendung findet, sinkt der Druck auf Fichte und Kiefer.
Einordnung
Der Titel „Beton-Ersatz“ ist Marketing, und man sollte ihn nicht wörtlich nehmen. Acetyliertes Buchenfurnierschichtholz wird Stahlbeton nicht dort ersetzen, wo dessen Vorteile liegen: bei Druckbeanspruchung, Masse, Schallschutz und Feuerwiderstand großer Querschnitte. Es erweitert das Feld, in dem Holz eine sinnvolle Wahl ist, um schlanke tragende Bauteile im Freien. Das ist ein realer Fortschritt und weniger, als der Titel verspricht. Vorsicht ist außerdem bei der Bewertung der Entwurfsstudie geboten: Ein visualisierter Turm ist kein Nachweis. Belastbar wird die Sache mit der ersten realisierten Anwendung, und die steht für 2027 an.
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