Holz statt Stahl als Verstärkung: holzbewehrtes Holz vor der Markteinführung
Buchenfurnier als Bewehrung in Brettschichtholz verstärkt Träger genau dort, wo sie schwach sind. Das Verfahren steht vor der wirtschaftlichen Anwendung.
Ein Forschungsprojekt der TU München hat Brettschichtholz mit eingelegten Buchenfurnieren verstärkt, an genau den Stellen, an denen Holz konstruktiv schwach ist. Das Verfahren steht vor der wirtschaftlichen Anwendung.
Was passiert ist
Im Projekt HBH_Teil_2 am Lehrstuhl für Holzbau und Baukonstruktion der Technischen Universität München wurde holzbewehrtes Holz zur Marktreife entwickelt. Das Prinzip: In Brettschichtholz aus Nadelholz werden Lagen aus Laubholzfurnier, als „Superlamelle“ bezeichnet, an statisch gezielt gewählten Stellen des Querschnitts eingebracht. Damit wird die bekannte Schwachstelle von Holz adressiert, seine geringe Festigkeit quer zur Faser. Besonders relevant ist das bei Satteldachträgern, bei Bauteilen mit Durchbrüchen und bei biegesteifen Verbindungen sowie Stirnholzanschlüssen. Als Furnierholz hat sich Buche als optimal erwiesen, sowohl in der Festigkeit als auch in der Verfügbarkeit in Deutschland; als Klebstoffe kommen PRF und MUF zum Einsatz. Die Fertigung ist inzwischen wirtschaftlich darstellbar und digital unterstützt; weil Furniere getrennt hergestellt und später eingebaut werden, können sich auch kleine und mittlere Betriebe beteiligen. Pilotprojekte sind über Zustimmungen im Einzelfall möglich. Gefördert wurde das Projekt vom Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat über die Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe; Abschluss ist 2026.
Die Zahlen
- Forschungsstelle: TU München, Lehrstuhl für Holzbau und Baukonstruktion
- Projektabschluss: 2026
- Bewehrungsmaterial: Buchenfurnier
- Klebstoffe: PRF und MUF
- Genehmigungsweg heute: Zustimmung im Einzelfall
- Laubholzanteil am deutschen Rohholzaufkommen: 22 %
Was das für Kommunen bedeutet
Für kommunale Bauherren ist die relevante Anwendung der weit gespannte Träger. Sporthallen, Feuerwehrhäuser, Bauhöfe und Veranstaltungsräume brauchen große stützenfreie Spannweiten, und dort entscheidet die Detailausbildung an Durchbrüchen und Anschlüssen über den Materialeinsatz. Wenn ein Träger an der kritischen Stelle verstärkt wird, statt insgesamt größer dimensioniert zu werden, sinkt der Materialbedarf, und mit ihm Gewicht, Transportaufwand und Kosten.
Praktisch gilt jedoch: Solange die Anwendung eine Zustimmung im Einzelfall erfordert, ist sie für ein normales kommunales Vorhaben mit Terminbindung schwer nutzbar. Zustimmungsverfahren kosten Zeit und Gutachterkosten. Realistisch wird die Technik für Kommunen interessant, sobald sie in Normen oder allgemeine Bauartgenehmigungen eingeht. Bis dahin lohnt es, sie zu kennen, um bei einem Sonderbau mit anspruchsvoller Statik danach zu fragen.
Was das für Investoren und Bauherren bedeutet
Zwei Aspekte sind wirtschaftlich bedeutsam. Erstens die Laubholzfrage: Der Waldumbau erhöht den Laubholzanteil, während der Holzbau überwiegend Nadelholz verarbeitet. Verfahren, die Buche konstruktiv verwertbar machen, adressieren eine strukturelle Lücke zwischen dem, was wächst, und dem, was gebaut wird. Wer langfristig auf Holzbau setzt, hat ein Interesse daran, dass diese Lücke geschlossen wird: sie ist ein Preisrisiko für das nächste Jahrzehnt.
Zweitens die Fertigungslogik. Dass Furniere separat hergestellt und erst später eingebaut werden, hält die Technik für mittelständische Betriebe offen. Das ist kein Nebenaspekt: Verfahren, die nur in großen Werken funktionieren, verengen den Bieterkreis und verteuern über Marktmacht mehr, als sie technisch einsparen. Eine Innovation, die von vielen Betrieben beherrscht werden kann, senkt Preise nachhaltiger als eine, die einem Anbieter gehört.
Einordnung
„Vor der Markteinführung“ heißt: noch nicht am Markt. Zwischen wirtschaftlich darstellbarer Fertigung und regelmäßiger Verfügbarkeit auf Ausschreibungen liegen Bauartgenehmigungen, Normungsarbeit und die Bereitschaft von Betrieben, in Anlagen zu investieren. Erfahrungsgemäß sind das mehrere Jahre. Realistisch ist die Technik zunächst ein Werkzeug für anspruchsvolle Einzelbauteile, nicht für den Regelfall, und genau dort liegt ihr Wert: Sie erweitert das Feld, in dem Holz konstruktiv mit Stahl und Beton konkurrieren kann. Wer heute plant, sollte sie nicht einkalkulieren, aber im Blick behalten.
Quellen: FNR/Holzbauinitiative: Holzbewehrtes Holz vor Markteinführung
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