Die Hälfte des Holzes wird verbrannt: Verbände fordern Kurswechsel
Rund 50 Prozent des verfügbaren Holzes wird energetisch verbrannt, obwohl es stofflich nutzbar wäre. Naturschutz und Holzindustrie fordern gemeinsam Konsequenzen.
Naturschutzverband und Holzindustrie fordern gemeinsam einen Kurswechsel: Rund die Hälfte des verfügbaren Holzes wird verbrannt, obwohl es stofflich verwertbar wäre. Für die Baubranche ist das kein Umweltthema, sondern eine Frage der Materialverfügbarkeit.
Was passiert ist
Der NABU, der Verband der Deutschen Holzindustrie und der Bundesverband Holzpackmittel haben in einer gemeinsamen Position eine konsequente Kaskadennutzung von Holz gefordert. Kernbefund: Etwa 50 Prozent des verfügbaren Holzes wird energetisch verbrannt, obwohl es stofflich nutzbar wäre. Die Forderungen umfassen ein Ende der Förderung für die Holzverbrennung, ein Verbot neuer Großkraftwerke auf Basis verwertbarer Holzsortimente, strengere Genehmigungsanforderungen bei Brennstoffwechseln, eine realistische Berücksichtigung verfügbarer Holzmengen in kommunalen Wärmeplänen, eine Überarbeitung von Recyclingvorgaben, Unterstützung kleiner Waldbesitzer sowie eine nationale Biomassestrategie mit transparentem Monitoring. Zur Begründung führen die Verbände an, dass heimisches Holz aus nachhaltiger Bewirtschaftung bereits vollständig verplant sei.
Die Zahlen
- Energetisch verbrannter Anteil des verfügbaren Holzes: rund 50 %
- Beteiligte Verbände: NABU, VHI, HPE – Naturschutz und Industrie gemeinsam
- Kernforderungen: 7
- Ausgangslage: heimisches Holz vollständig verplant
- Kalamitätsholzanteil am Einschlag: rund 45 % (Charta-Kennzahlenbericht)
Was das für Kommunen bedeutet
Die Forderung zur kommunalen Wärmeplanung trifft Gemeinden direkt und aktuell. Wo Wärmepläne auf Biomasse setzen, muss die zugrunde gelegte Holzmenge tatsächlich verfügbar sein, und zwar dauerhaft, nicht nur in Jahren mit hohem Schadholzanfall. Wenn zwei Kommunen im Umkreis ihre Wärmeversorgung auf dasselbe regionale Holzaufkommen stützen, entsteht ein Konflikt, der spätestens beim Brennstoffeinkauf sichtbar wird. Kommunen sollten deshalb die Mengenannahmen in ihren Wärmeplänen kritisch gegenlesen: Wie viel Holz ist realistisch verfügbar, welche Sortimente, aus welchem Einzugsgebiet, in Konkurrenz zu welchen anderen Abnehmern?
Zweiter Punkt: Kommunen, die selbst Wald besitzen, treffen mit ihrer Sortimentspolitik eine Vorentscheidung. Wer Stammholz in die stoffliche Nutzung lenkt, unterstützt regionale Wertschöpfung: Sägewerk, Zimmerei, Bauteil. Wer es als Energieholz verkauft, erhält heute womöglich einen schnelleren Erlös, gibt aber die Wertschöpfungskette aus der Hand.
Was das für Investoren und Bauherren bedeutet
Für Bauherren ist die relevante Zahl nicht der Prozentwert, sondern seine Folge: Wenn heimisches Holz vollständig verplant ist und die Hälfte davon verbrannt wird, konkurriert der Holzbau mit der Energiewirtschaft um denselben Rohstoff. Das erklärt einen Teil der Preisentwicklung, die den Markt seit Jahresbeginn kennzeichnet: Rundholzpreise von 130 bis 135 Euro pro Festmeter für Fichte entstehen nicht nur durch Nachfrage aus dem Bau.
Für die Kalkulation heißt das: Materialverfügbarkeit gehört als Risiko in die Projektplanung, nicht nur der Preis. Frühe Bestellung, klare Sortimentsvorgaben und Lieferzusagen mit belastbaren Terminen sind in einem angespannten Markt wichtiger als der letzte Prozentpunkt beim Angebotspreis. Und für die ESG-Argumentation gilt: Die Klimawirkung eines Holzbauteils hängt daran, dass es lange genutzt und danach weiterverwendet wird. Wird das Bauteil am Lebensende verbrannt, verschwindet der Speichereffekt aus der Bilanz. Rückbaubarkeit ist deshalb nicht Kür, sondern Voraussetzung für die eigene Argumentation.
Einordnung
Dass Naturschutzverband und Holzindustrie gemeinsam auftreten, ist der eigentliche Nachrichtenwert. Beide haben in vielen Fragen entgegengesetzte Interessen; hier decken sie sich, weil beide etwas vom stehenden und vom verbauten Holz wollen, nicht von der Asche. Man sollte allerdings sehen, wessen Interesse mit welchem Argument transportiert wird: Ein Verbrennungsverbot für verwertbare Sortimente senkt die Rohstoffkosten der stofflichen Nutzung, die Verbände fordern also auch etwas für sich. Das macht die Forderung nicht falsch, aber es erklärt die Allianz. Politisch schwierig bleibt der Zielkonflikt mit der Wärmewende: Wo Kommunen von Öl und Gas weg wollen, ist Holz eine verfügbare Option, und ihnen diese zu nehmen, ohne Alternative anzubieten, wird kaum durchsetzbar sein.
Quellen: nbau: Kaskadennutzung von Holz – Forderungen von NABU, VHI und HPE
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