In den Krisenjahren sind die Baugenehmigungen im Holzbau um 11,5 Prozent gesunken, im Gesamtbau um 19,2 Prozent. Der Unterschied ist kein Zufall: er hat mit der Struktur der Bauherren zu tun.

Die Meldung

Nach Auswertungen von Holzbau Deutschland ist die Zahl der genehmigten Gebäude in Holzbauweise in der Bauflaute deutlich weniger stark eingebrochen als im Gesamtmarkt: 11,5 Prozent Rückgang im Holzbau gegenüber 19,2 Prozent im gesamten Bauwesen. Der relative Marktanteil des Holzbaus ist damit gerade in der Krise gestiegen, nicht weil mehr Holzgebäude entstanden, sondern weil weniger wegfielen.

Die Zahlen

  • Rückgang der Genehmigungen im Holzbau: 11,5 %
  • Rückgang im Gesamtbau: 19,2 %
  • Differenz: 7,7 Prozentpunkte
  • Folge: steigender Holzbauanteil trotz sinkender absoluter Zahlen

Unser Kommentar

Die naheliegende Erklärung wäre, Holzbau sei krisenresistenter. Die ehrlichere Erklärung liegt bei den Bauherren. Ein großer Teil des Holzbaus im Wohnungsbau sind Ein- und Zweifamilienhäuser, gebaut von Menschen, die selbst darin wohnen. Für sie ist das Vorhaben kein Investment mit Renditeschwelle, sondern eine Lebensentscheidung. Solche Bauherren steigen bei drei Prozent Zins nicht aus, sie rechnen anders. Renditegetriebene Mehrfamilienhausprojekte hingegen fallen sofort weg, wenn die Kalkulation nicht mehr aufgeht, und diese Projekte sind überwiegend Massivbau.

Trotzdem bleibt ein realer Vorteil, der nicht nur Statistik ist: Vorfertigung verkürzt die Bauzeit, und kurze Bauzeit senkt die Zwischenfinanzierung. In einer Phase, in der Kapitalkosten die kritische Größe sind, ist das kein weiches Argument, sondern ein harter Posten in der Kalkulation. Wer sechs Monate früher fertig ist, zahlt sechs Monate weniger Bauzeit-Zinsen und beginnt sechs Monate früher mit Mieteinnahmen.

Was man aus der Zahl nicht ableiten sollte: dass Holzbau billiger sei. Ist er im mehrgeschossigen Bereich in der Regel nicht: der Aufpreis gegenüber dem Massivbau liegt nach Marktstudien im hohen einstelligen bis niedrigen zweistelligen Prozentbereich. Der Vorteil liegt in Bauzeit, Vorhersehbarkeit und Lebenszyklusbilanz. Wer das eine mit dem anderen verwechselt, wird bei der ersten Angebotsöffnung enttäuscht.


Quellen: Holzbau Deutschland: Immer mehr Gebäude in Holzbauweise · Holzbau Deutschland: Lagebericht und Statistiken

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