Das Baugewerbe geht mit vorsichtigem Optimismus in das Jahr 2026: 178 Milliarden Euro Branchenumsatz, real 2,5 Prozent mehr. Getragen wird die Erholung allerdings vom Tiefbau. Im Wohnungsbau bleibt die Stimmung gedrückt.

Die Meldung

Der Zentralverband des Deutschen Baugewerbes hat im Dezember seine Konjunkturprognose für 2026 vorgelegt. Erwartet wird ein Branchenumsatz von 178 Milliarden Euro, was nominal einem Plus von 6 Prozent und real von 2,5 Prozent entspricht. Rund 56 Prozent der befragten Betriebe bewerteten ihre Geschäftslage als gut oder befriedigend. ZDB-Präsident Wolfgang Schubert-Raab fasste die Lage mit dem Satz zusammen, die Bauwirtschaft habe den Tiefpunkt durchschritten. Nach Jahren rückläufiger Zahlen kehre erstmals wieder Zuversicht in die Branche zurück.

Die Zahlen

  • Branchenumsatz 2026 (Prognose): 178 Mrd. € (+6 % nominal, +2,5 % real)
  • Betriebe mit guter oder befriedigender Geschäftslage: rund 56 %
  • Treiber: Tiefbau, verstärkt durch das Sondervermögen für Infrastruktur und Klimaneutralität
  • Wohnungsbau: weiterhin schwach, keine Trendwende in der Prognose

Unser Kommentar

Die Zahl ist real, der Optimismus ist es nur zur Hälfte. Das erwartete Plus stammt überwiegend aus dem Tiefbau, der von den Infrastrukturmitteln des Bundes profitiert: Straßen, Schienen, Leitungsnetze, Wasserwirtschaft. Im Wohnungsbau bleibt die Lage angespannt, und genau dort entscheidet sich, ob aus der Konjunkturwende eine Bauwende wird.

Für kommunale Bauherren ist das eine gemischte Nachricht. Die gute Seite: Kapazitäten im Hochbau sind derzeit verfügbar, Angebote kommen häufiger und schärfer kalkuliert als in den Boomjahren. Wer jetzt ausschreibt, verhandelt in einem Markt, der Aufträge braucht. Die schlechte Seite: Wenn der Tiefbau anzieht und Personal bindet, verschiebt sich das Bild binnen weniger Quartale: Zimmerer, Maurer und Tiefbaufacharbeiter gehören schon heute zu den knappsten Berufsgruppen am Bau.

Wer also ein Schul-, Kita- oder Verwaltungsprojekt in der Schublade hat, hat 2026 ein Fenster. Es ist nicht garantiert offen bis 2027. Praktisch heißt das: Vergabeunterlagen jetzt fertigstellen, statt auf noch günstigere Preise zu warten. Der Preisvorteil aus einer schwachen Konjunktur ist die unzuverlässigste Größe in jeder Kalkulation. Er verschwindet genau dann, wenn alle gleichzeitig zu bauen beginnen.


Quellen: ZDB: Konjunkturprognose 2025/2026 · ZDB: Die Stimmung in der Bauwirtschaft hellt sich auf

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